Wie kommt es eigentlich, daß in der »Diktatur« so wunderbare Märchenfilme entstanden, während in der »Demokratie« nicht mal Horror-Krimis gelingen? Ob das daran liegt, daß Kunst Zeit braucht? Und man in der DDR reichlich Zeit hatte. Soviel Zeit wie in der BRD selbst Arbeitslose nicht haben.
Wie dem auch sei, was für Filme gilt, stimmt auch bei Hörspielen. Auch hier hat die DDR im Märchen-Genre Perlen hervorgebracht, mit einer Atmosphäre, die in neuen Produktionen nicht mehr zu erlauschen ist. Und, sehen wir den Tatsachen ins Auge, auch nicht mehr zu erlauschen sein wird. Der einzige »Trost« ist, daß etliche der einst auf LP unter dem Label LITERA erschienenen Meisterwerke auf CD wieder aufgelegt wurden. Sie sind also nicht verloren und vergessen.
Der zweifellos schönste Zyklus umfaßt die Märchen von Wilhelm Hauff. 1970 kam die LP mit dem »Kleinen Muck« (und »Kalif Storch« auf der B-Seite) heraus. Als Muck brilliert Klaus Piontek. Fred Düren ist der König, Ekkehard Schall der Großwesir. Frau Ahavzi wird von Marga Legal gespielt. Wolfgang Greese und Dieter Zöllter leihen den Wachen ihre Stimme.
Fast alle Darsteller sind bereits von hinnen gegangen. Klaus Piontek kam 1998 direkt in den Märchen-Himmel. Marga Legal und Wolfgang Greese folgten ihm 2001, Ekkehard Schall 2005. Fred Düren gab bereits in den 1980er Jahren den Schauspielerberuf auf und lebt heute als Rabbiner in Israel - 2008 wurde er 80.
Auch Ulrich Mühe, Rolf Ludwig, Kurt Böwe, Wolfgang Dehler und Peter Dommisch sind längst gestorben. Im »Kalten Herz« überzeugen sie durch brillante, unübertroffene Sprechkunst.

Reinhören:
Der kleine Muck, Kalif Storch, Das kalte Herz, Das Märchen vom falschen Prinzen (MP3, Mono).
Wilhelm Hauff: Die Märchen-Karawane, 3 CDs. Bestellen
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