Berlin, 30. November 2002 - Gefragt wurde nicht danach, ob es in der DDR Unrecht gab, sondern: War die
DDR ein »Unrechtsstaat«? Unrecht und Gewalt treten in jedem Staat auf. Ein »Unrechtsstaat«
sollte hingegen schon von Unrecht ordentlich getränkt sein.
Ob das erforderliche Level in der DDR erreicht wurde, darüber stimmten 406 Bürger (aus Ost und West)
zwischen Juli und November 2002 ab. Eine hauchdünne Mehrheit hielt es (dual abgestuft) nicht
für gerechtfertigt, die DDR als »Unrechtsstaat« zu bezeichnen. Andererseits erklärte
fast die Hälfte den Begriff als völlig zutreffend. Das komplette Ergebnistableau:
1997 hatte das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg ausschließlich Ostdeutsche
befragt, wobei nur 18,2 Prozent der Auffassung »die DDR war ein Unrechtsstaat« vorbehaltlos
zustimmten, 33,9 Prpozent mit »teilweise« antworteten, 42,8 Prozent verneinten und 4,9 Prozent
keine Antwort geben wollten. Die Soziologen schlußfolgerten, daß »die Ostdeutschen
mehrheitlich einer differenzierten Betrachtung der DDR-Vergangenheit den Vorzug geben. Pauschale
Negativ-Urteile und Negativ-Klischeees, wie z.B. die Kennzeichnung als Unrechtstaat, sind nicht
mehrheitsfähig« (Zitiert nach Stefan Wolle: Die heile
Welt der Diktatur, S. 15/16)
Background: Der gemeinnützige Verein zur
Dokumentation der DDR-Alltagskultur e.V. wurde 1994 in Berlin gegründet und hat 110 Mitglieder sowohl
aus den Neuen als auch aus den Alten Bundesländern. Vereinsaufgabe ist u.a., die kulturell-politische
Bildung zu fördern.
Verein zur Dokumentation der DDR-Alltagskultur e.V.