»Anschluß angebahnt« // »Vorbereitung der Wirtschaftskatastrophe Ost hinter den Kulissen: Am 7. Februar 1990 bildete die Kohl-Regierung den 'Kabinettsausschuß Deutsche Einheit'«. Jörg Roesler, jW, 6. Februar 2010.
»Was war die DDR?« // Vortrag von Inge Viett, jW, 26. Januar 2010.
»Polyphonie ist eine große Errungenschaft« // Ein Gespräch mit dem Komponisten Paul-Heinz Dittrich, jW, 26. Januar 2010 · Engführung (CD).
Venceremos! // »Nach dem Putsch in Chile im September 1973 nahm die DDR rund 2000 Flüchtlinge auf. 20 Jahre nach dem Ende der Pinochet-Diktatur will in ihrer Heimat kaum jemand die Geschichten über ihr Exil hören.« ND, 19. Januar 2010 · Victor Jara: Deja la Vida Volar (CD), Manifiesto (YT).
»Die DDR - eine kritische Bilanz« // Walter Draeger, ND, Forum, 9. Januar 2010.
»Einverleibung der DDR« // »Wiedervereinigung ist ein Agreement, ein Kompromiß von Geben und Nehmen. Zur Zeit aber sieht sich Westdeutschland durch nichts veranlaßt der DDR irgendetwas zuzugestehen. ... Mit der Wiedervereinigung der Nation kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur die Einverleibung der DDR gemeint sein.« Christoph Hein vor 20 Jahren, am 6. Januar 1990, Mauersplitter, DLF, MP3.
»Monotonie des Yeah-yeah-yeah« // »Ist es denn wirklich so, daß wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Yeah-yeah-yeah, und wie das alles heißt, sollte man doch Schluß machen.« So Walter Ulbricht angeblich noch 1965 auf dem berühmten 11. Plenum des ZK der SED. Wie paßt das zur Gründung von DT64, dem DDR-Jugendradio, über ein Jahr zuvor? Margarete Wohlan im Gespräch mit Jürgen Balitzki und Olaf Leitner, mit Originaltönen. Aus den Archiven, DLR, 27. Dezember 2009, MP3.
»Spitzel drüben, Spitzel hüben« // »Post aus der DDR wurde in der Bundesrepublik systematisch kontrolliert – dafür reichte eine Verordnung«, Tsp, 21. Dezember 2009 · Briefzensur.
»Der Sozialismus ist gar nicht so übel« // »Warum ist der Sozialismus einer sozialen Marktwirtschaft überlegen, die ja auch auf Umverteilung setzt? Die Antwort ist einfach: In einer sozialistischen Gemeinschaft nehmen die Menschen um des anderen willen aneinander Anteil. Im Kapitalismus sind die Menschen auch aufeinander bezogen, aber nur, weil sie sich vom Austausch einen Vorteil für sich selbst und ihre eigenen Interessen versprechen. Die Marktwirtschaft nutzt die natürlichen Triebe der Gier und Angst. Das bringt den Wohlstandsprozeß in Gang. Der Markt zwingt die Menschen, einander zu Diensten zu sein: Kundenfreundlichkeit ist egoistisch motiviert. Eine Wirtschaftsordnung soll gut sein, die die Gier befeuert und die Angst braucht? Wie das Christentum weiß der Sozialismus, daß man die Triebe zähmen muß und darauf kein Wirtschaftssystem bauen sollte.« FAZ, 21. Dezember 2009 · Gerald A. Cohen: Warum versuchen wir es nicht mit dem Sozialismus?
»Intelligent und natürlich« // »Dorothea Melis war einst die einflußreichste Moderedakteurin der DDR. Ihr Schönheitsideal gilt als intelligent und natürlich. Diesen Stil setzt sie bei der DDR-Luxusmarke Exquisit durch - und findet ihn heute bei einem Streifzug durch H&M wieder.« Dorothea Melis, Chefredakteurin der DDR-Modezeitschrift Sibylle, Reportage, DLR, 13. Dezember 2009 · Buch.
»Dann geh doch rüber!« // »Neben der Ost-West-Migration vergessen: Die Übersiedlung vom Westen in die DDR ... Mehr als eine halbe Million Menschen siedelten innerhalb von 40 Jahren vom Westen um in den Osten des geteilten Landes. Und auch eine Gruppe Schweizer emigrierte in die DDR.« ND, 9. Dezember 2009.
»Vater Ampelmann« // »1961 erfand Karl Peglau das berühmte Symbol des Ampelmännchens, das zu einem der erfolgreichsten Ossis überhaupt wurde. Jetzt starb der Verkehrspsychologe im Alter von 82 Jahren.« Tsp, 1. Dezember 2009 · Das Buch vom Ampelmännchen.
»Die Aktenkilometer-Mär« // »180.000 laufende Meter Unterlagen der DDR-Staatssicherheit sollen nach eigenen Angaben in der Birthler-Behörde lagern. Bei genauerer Betrachtung schmilzt der Datenbestand dahin.« jW, 28. November 2009 (Auszüge aus dem Buch Freischützen des Rechtsstaats).
Harte Ostberliner Jungs // Sind Rammstein Deutschtümelei? Aber sie werden doch auch in Frankreich oder Amerika vergöttert. FAZ., 24. November 2009.
»Wende oder Revolution?« // »Keinesfalls nur eine scholastische Frage. Der Herbstumbruch vor 20 Jahren im deutschen Geschichtsbewußtsein«, Martin Sabrow, ND, 21. November 2009.
»Poesie des Untergrunds« //Ausstellung im Prenzlauer Berg Museum über die Literatur- und Künstlerszene Ostberlins 1979-1989, 21. November 2009 bis 7. Februar 2010 · Buch.
»Wir haben souverän gehandelt« // Interview mit Hans Modrow, Ministerpräsident der DDR von November 1989 bis April 1990, ND, 16. November 2009.
»Streitobjekt DDR« // »Die Debatte über den sozialistischen Staat lädt zum Nachdenken über geschichtliche Alternativen ein. Sie wird aber als Sieg der Marktwirtschaft geführt«, Essay von Kurt Pätzold, jW, 13. November 2009.
»Vulgärapostrophierung« // Ein »Justizminister« ist im »Rechtsstaat« nicht nur eine Absurdität. Ein »Justizminister«, dem sowohl Gerichte als auch Staatsanwälte unterstellt sind, bedeutet, daß der »Rechtsstaat« eine Fata Morgana ist. Dennoch gibt es solche und solche Justizminister.
Auch wenn jetzt also einer Justizminister geworden ist, der das DDR-Rechtssystem kennt, und sich differenzierter äußert, statt platte Parolen zu verbreiten: Der BRD-Rechtsstaat bleibt so rechtsstaatlich wie die CDU christlich (1, 2, 3). 10. November 2009.
»Gefälschte Geschichte« //Egon Krenz' Rede vom 24. Oktober 2009, Teil I, II, III.
»Warum kein einziger Schuß fiel« // Horst Klein, ND, 7./8. November 2009 · »'Ohne Blut an den Händen durch Leipzig laufen'«, Gespräch mit Manfred Hummitzsch, jW, 9. November 2009.
»Here We Come« // Sie waren gut drauf und nannten sich »Electric Beat Crew«, »Crazy Seven« oder »Melodic Dancer«: Jungs, die sich durch akrobatisches, ultralässiges Tanzen beweisen wollten. »Here We Come - Breakdance in der DDR«, ZDF, 2. November 2009 · DVD.
Electric Beat Crew: Here we come ·
Wir hatten ja nichts ·
Breakdance in der DDR (YT).
Der »Sieg der Freiheit« // »Wie man denn niemals mehr von Freiheit reden hört, als wenn eine Partei die andere unterjochen will und es auf weiter nichts angesehen ist, als daß Gewalt, Einfluß und Vermögen aus einer Hand in die andere gehen sollen.« Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan.
»Sind Ostdeutsche im neuen Kabinett unterrepräsentiert?« // Interview mit Verleger Christoph Links, DLR, 28. Oktober 2009, MP3.
»Unterrepräsentiert« sind im neuen »Kabinett« nicht nur die Ostdeutschen. Auch die Wahlbevölkerung, also die Bevölkerung, überhaupt. Nur 1/3 der Wahlberechtigten, also der Wähler und Nichtwähler, hat diesem »Kabinett« seine Stimme gegeben (indirekt über die Parteien). Entscheidungen, die dieses »Kabinett« trifft, sind folglich von 2/3 der Bevölkerung nicht legitimiert.
»Weil diese Person mein Vertrauen hat« // War sie zu DDR-Zeiten nun FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda, wie Bekannte sich erinnern, oder nur »Kulturreferentin gewesen, und habe sich um die Bereitstellung von Theaterkarten gekümmert«, wie sie selbst berichtet. War sie gar Stasi-Spitzel? Einerlei. Als die Bundeskanzlerin gefragt wurde, warum sie eine Person, die 100.000 DM von einem Waffenhändler in der Schublade »vergessen« hat, zum Finanzminister erkoren habe, gab es an ihrer Antwort nichts zu deuteln: »Weil diese Person mein Vertrauen hat.« Die Welt, 26. Oktober 2009.
Das atomare Teufelszeug // Wo ist der DDR-Atommüll? Wie war das 1990 mit der Abschaltung der DDR-Kernkraftwerke? Was kann der Westen beim Umgang mit der Atomkraft vom Osten lernen? Fragen an den Strahlenschützer Dr. Sebastian Pflugbeil, Oktober 2009.
»Volksverköstigung und Staatsbankett« // Siegfried Pasternak, Chefgastronom im Palast der Republik, Reportage, DLR, 18. Oktober 2009.
»Leichensäcke bereitgelegt« // »Dramatische Details in Köhler-Rede wohl falsch - In seiner Rede zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in Leipzig soll Bundespräsident Horst Köhler teils falsche historische Details genannt haben.« Sächsische Zeitung / evangelisch.de, 10.10. · jW, 12.10. ··· Hamburger Rechtsanwalt Armin Fiand schrieb Köhler einen Brief, 14.10. · Egon Krenz auch: Die Welt, 24. Oktober 2009.
Bäume & Beten // »Weißt Du, solange die Häuser höher gebaut werden, als die Bäume wachsen, wird das mit der Menschheit nichts. Und mit dieser Gesellschaft wird das auch nichts, weil die Menschen vergessen haben, zu beten. Kommunismus ist eine schöne Sache. Aber wenn man vergessen hat, zu beten, sollte man Kommunismus nicht als Ziel ansteuern.«. Alfred Matusche. Der als »Geheimtip« gehandelte Dramatiker, gestorben 1973 in Karl-Marx-Stadt, wäre am 8. Oktober 2009 100 geworden. Mitteldeutsche Zeitung · der Freitag · Dramen.
7. Oktober 2009 - »Hoch die Deutsche Demokratische Republik!« // »Die Märchenerzähler auf der Straße predigen den Bolschewismus von links und die Rätediktatur, die an Schrecken die Säbeldiktatur noch übertreffen. Nieder mit dem Bolschewismus! Nieder mit dem Generalstreik! Arbeiten! Arbeiten! Arbeiten! Hoch die Deutsche Demokratische Republik!«. Flugblatt des Deutschen Demokratischen Vereins, Berlin 1919.
Abwanderung Ost // 2008 gab es »136.500 Zuzüge aus den neuen Ländern in die alten Länder«, und »85.500 Fortzüge aus den alten Ländern in die neuen Länder«. Der »Wanderungssaldo der neuen Länder gegenüber den alten Ländern« betrug -51.000 Personen. Statistisches Bundesamt, 1. Oktober 2009.
»Amtliches«
(verfälschtes) Wahlergebnis - in
Prozent
Nichtwähler
29,2
0
CDU/CSU
23,93
33,8
SPD
16,28
23,0
FDP
10,34
14,6
Linke
8,43
11,9
Grüne
7,58
10,7
Sperrklausel
4,25
6,0
1000 Jahre BRD // »Jeder Staat versucht zu zeigen, daß er der beste ist. Alles vor ihm gilt nicht mehr. Er selbst wird noch 1000 Jahre bestehen. Diese Haltung hatte die DDR auch. Da tritt aber doch dieses Goethe'sche Diktum ein, daß alles, was auf dieser Welt entsteht, auch zugrunde geht.« Christoph Hein, Interview, Der Standard, 25. September 2009.
Über das Theater-Publikum in Ost & West // »Das Ost-Berliner Publikum ist, glaube ich, optimal. Das hat eine Mischung von Gründen, also, es ist ein Hauptstadt-Publikum, es ist, man darf es nicht vergessen, das Publikum einer außerordentlich traditionsreichen Theaterstadt. Es ist ein Publikum, das wirklich, von diesem preußischen Temperament her, meine Sorte von Wirkungen mag. Also ein Publikum, wo Nestroy durchfällt und Hacks geht. In München ist es wirklich umgekehrt - oder gar in Wien. Wo ich immer durchfalle und Nestroy geht. Und es ist eben dieses neue sozialistische Publikum, das aus einer doch eben gebildeten Intelligenz, aber auch einem sehr gebildeten und intelligenten Laienstande und auch aus Mächtigen, die nicht dumm sein müssen, zusammengesetzt ist. Also, ich meine, das Publikum ist, glaube ich, unübertrefflich.
Ich liebe es so sehr, seit ich das Münchner Premierenpublikum getroffen habe, das ist einer meiner bleibenden Eindrücke: Diese Leute haben es fertiggebracht, im »Frieden« (CD+DVD) drei Minuten vor Schluß zu erkennen, daß gelacht werden darf. Der erste Lacher erfolgte drei Minuten vor Schluß. Das ist unfaßbar, und wenn man erzählt bekommt, dort gehen die Leute aus repräsentativen Gründen ins Theater, und dort gehen eben die Koofmichs, weil sie das Geld haben und haben ein Premierenabonnement. Man muß es erlebt haben, um diesen Grad von Nichtaufnahmefähigkeit zu glauben.« Peter Hacks, Interview, April 1974.
»Das Ende der 'blühenden Landschaften'« // »Der 'Aufbau Ost' ist gründlich mißlungen…« Politisches Feuilleton, DLR, 16. September 2009.
»Verblühende Landschaften« // »Ost-Forscher schlagen Alarm: Die Mieten sind hoch, die Jungen gehen weg, die Perspektiven sind schlecht…«, Tagesspiegel, 8. September 2009.
Wahlergebnis I // Landtagswahlen am 30. August 2009 in Sachsen: 47,8 % Nichtwähler, Thüringen: 43,8 % Nichtwähler. Durch Fünf-Prozent-Hürde in Sachsen 6,8 %, in Thüringen 9,1 % der Wähler um ihr Votum betrogen.
»Das irdische Paradies« // »Ein alter, von Büchern gestützter Glaube will wissen, das irdische Paradies habe in Vorpommern gelegen. Dem Schulzen Christian Wendland sagte sogar seine innere Stimme, es könne nur bei Kummerow im Bruch hinterm Berge gelegen haben…« Ehm Welk: Die Heiden von Kummerow. Am 29. August 2009 wäre der Autor 125 geworden. »Die Heiden von Kummerow« ist mit einer Auflage von über 2 Mio. eines der meistgelesenen deutschen Jugendbücher. Vorbild für Kummerow: das Dorf Biesenbrow bei Angermünde im Land Brandenburg. Die Handlung spielt aber nicht in der DDR, sondern in der Provinz des Deutschen Kaiserreichs · Buch.
»Sozialistische Klassik« // »Wessen sollten wir uns rühmen, wenn nicht der DDR!« Der dies schrieb, zählte zu den namhaftesten Dramatikern der DDR: Peter Hacks. 1955 aus München in die DDR übergesiedelt, lag Hacks das Schicksal der Republik am Herzen, die er als »mein Land« betrachtete. Im Schauspiel »Senecas Tod«, 1980 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt, fallen effektvolle Sätze wie »Einen Prachtplan haben wir / Und rechnen kaum mit seiner Ausführung« oder »Wehe dem Staat, wo Laune schaltet zügellos«. Sah Hacks Honecker als eine Art Nero, der die DDR in den Untergang führt? Am 28. August 2009 jährt sich Hacks' Tod zum sechsten Mal.
Theaterprogramm zu »Senecas Tod« · Linksammlung.
»Kunst und Revolte '89« // Übergangsgesellschaft. Porträts und Szenen 1980-1990. Akademie der Künste, Berlin, 10. Juli bis 11. Oktober 2009, Pariser Platz 4.
»Mauersplitter« // Tägliche Reihe mit 200 akustischen Dokumenten der »friedlichen Revolution in der DDR«, Deutschlandfunk, 13. August 2009 bis 18. März 2010.
Dämonisierung der DDR beenden //Lothar Bisky, Vorsitzender der Linkspartei, fordert eine wissenschaftlich fundierte Neubewertung der DDR, Die Welt, 19. August 2009.
Die Verklärung der Übersiedler // Interview mit Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik zur »Maueröffnung« durch Ungarn vor 20 Jahren, Deutschlandfunk, 19. August 2009:
»Das Faszinierendste war immer die gleichbleibende Aussage der DDR-Bürger im Fernsehen. Wenn sie von westlichen Journalisten gefragt wurden, kam im Prinzip immer nur die gleiche Aussage: endlich frei! - Endlich frei! - Ich wünsche mir bis heute, dass unsere Bürger in den neuen Bundesländern sich daran erinnern, dass das wesentliche Ziel nicht ein materielles war, sondern der Wunsch nach Freiheit. Das stand damals bei diesen Flüchtlingen absolut im Vordergrund und das scheinen manche vergessen zu haben.«
1) Seit wann darf man für bare Münze nehmen, was Menschen sagen - und dann auch noch »im Fernsehen«?
2) Als die DDR längst das freieste Land der Erde war, im Frühjahr 1990, hielt der Strom der Übersiedler noch immer an. Der famose Wolfgang Schäubleenthüllte eigenhändig, worum es ging: »'Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, gehn wir zu ihr' – dieser Sprechchor gab wieder, was die Menschen in der DDR damals erhofften und erwarteten und auch, womit zu rechnen war, wenn ihre Erwartungen enttäuscht wurden. ... Tatsächlich ging der Übersiedlerstrom zurück, sobald die Bundesregierung – genauer die Koalitionsführung am 20. März – die Einführung der Währungsunion zum 1. Juli 1990 beschlossen hatte.«
»Sehnsucht nach der DDR?« // Politisches Feuilleton von Rolf Schneider, DLR, 18. August 2009.
»Rechtsstaaten zeichnen sich aus durch Gewaltenteilung und unabhängige Justiz«, sagt Schneider zutreffend. Unrichtig ist jedoch die Behauptung, die Bundesrepublik Deutschland sei ein solcher Rechtsstaat. In Wahrheit kann von Gewaltenteilung und unabhängiger Justiz keine Rede sein, schon gar nicht »im Sinne Montesquieus«. Die Judikative wird in der BRD glasklar durch die Exekutive gesteuert. Daher ist die BRD kein Rechtsstaat - höchstens in den verzerrten Phantasmagorien der Propaganda.
»Glück für alle!« // Wirklichkeit in DEFA-Filmen der fünfziger Jahre. Filmmuseum Potsdam, 10. Juli 2009 bis 7. März 2010.
»Wie ein Überraschungsei dem anderen« // »Brauns Grundthema von Jugend an, die Demokratisierung hochgradig autoritärer, parasitärer Gesellschaften, ist ja mitnichten erledigt, denn feudaler Staatssozialismus und high-tech-Kapitalismus beruhen beide auf der Unterwerfung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Fetischisierung entfremdeter Arbeit, der Spreizung von Verstand und Vernunft in instrumenteller Rationalität und Humanitätsdefiziten. Braun: 'Es kann kein Zufall sein, daß die eine Gesellschaft die andere in Grün ist und sich unsere Erfahrungen ähneln wie ein Überraschungsei dem anderen.'« Aus: Rolf Jucker (Hg.): Volker Braun in Perspective.
»Zwang zum Sinn« // »Die DDR beschäftigt uns mittels ihrer zurückgelassenen Kunst. Was immer man ihr, mit Fug oder Unfug, vorwerfen mag, an einer Erkenntnis kommen Übel- wie Wohlgesinnte nicht vorbei: daß sie eine Kunst hervorgebracht hat, die ihresgleichen sucht&hellip« André Thiele, taz, 31. Juli 2009.
»DDR-Bauten nicht pauschal verurteilen« // Der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt, plädiert für einen ausgewogeneren Umgang mit dem Erbe der DDR-Architektur. Märkische Allgemeine, 22. Juli 2009.
»Späte Zustimmung« // »Die DDR ist lebendiger denn je, zumindest in den Köpfen«, hieß es am 9. Juli 2009 bei Kontraste.
Die DDR, das war aber eben nicht nur der SED-Staat, auf den Westdeutsche die Ostdeutschen so gerne festnageln möchten. Die DDR, das war auch die DDR vom Herbst 1989, die DDR des 4. November, als Honecker gestürzt und von BRDigung (inkl. Treuhand und Hartz IV) noch keine Rede war. Wenn so getan wird, als sei die Alternative zur VerKOHLung das Stasi-Regime gewesen, und nicht eine freie eigenständige DDR, wo die Menschen ihre Geschicke in die eigene Hand nehmen, so ist die manipulative Absicht offenbar.
Erinnert sei hier an den Aufruf Für unser Land vom 26. November 1989.
Jürgen Hartwig: Grüße aus der DDR, 777 Postkarten, Eulenspiegel Verlag 2009. Hoch aufschlußreiche und zutiefst unterhaltsame Kollektion, die selbst DDR-Kenner verblüfft. Jetzt bestellen
Wiedervereinigung vs. Annektierung // »Man kann doch nicht im Traum davon reden, daß das eine Wiedervereinigung ist. Sondern natürlich war das eine Annektierung eines Landes durch ein anderes Land. Was man heute noch sehr schön daran sieht, daß von den 50 größten Konzernen, die in Deutschland angesiedelt sind, kein einziger Konzern seinen Hauptsitz in Ostdeutschland hat. Da muß man gar nicht weiter drüber nachdenken, was das bedeutet für eine kulturelle Landschaft.« Armin Petras, Intendant des Berliner Maxim Gorki Theaters, DLF, 31. Mai 2009.
Radio-Diskussion //DDR-Geschichte - Verklärung und Wahrheit lautete das Thema. Gesine Lötzsch, Die Linke, vermerkte allerdings, daß die beiden Pole, zwischen denen sich die DDR-Darstellung bewegt, nicht Verklärung und Wahrheit, sondern Verklärung und Dämonisierung sind. Weitere Studiogäste: Werner Schulz, B'90/Die Grünen; Heinz Eggert, CDU-MdL Sachsen. Hörer-Beteiligung, Moderation: Elke Durak. Kontrovers, Deutschlandfunk, 11. Mai 2009 · MP3.
Open-Air-Ausstellung //Friedliche Revolution 1989/90, Berlin, Alexanderplatz, 8. Mai bis 14. November 2009, Eintritt frei.
Wenn man eine Revolution als »gewaltsamen politischen Umsturz« faßt, ist der Terminus »Friedliche Revolution« allerdings ein Widerspruch in sich. Manche halten die Vorgänge von 89/90 auch für eine »Konterrevolution«.
Günther Anders sah 1980 als einzige echte Revolution in unserem Zeitalter nur noch die »der Technik, die 'systemneutral' bleibt, also hüben wie drüben gleichermaßen ihre Diktatur aufgerichtet hat; und die sich auch nach politischen Umschwüngen, so als wäre nicht das mindeste geschehen, als Konstante durchhält, das heißt: sich hektisch weiterentwickelt. Wenn nicht sogar der erreichte Stand der Technik, der sich mit der bisherigen politischen Struktur nicht mehr verträgt, oft selbst die Triebfeder ist, die die politische Revolution in Gang setzt. Vielleicht haben die bekannten Revolutionen unserer Epoche, die als politische sogar als Heilsaktionen auftraten, sich als solche nur drapiert, im besten Falle als solche nur mißverstanden. In Wirklichkeit gehorchten die Umwälzungen technischen Erfordernissen, und es wäre keine Übertreibung zu behaupten, daß Politik bereits Ideologie sei, nein, daß vielleicht sogar wirtschaftliche Programme nur noch Überbauten über 'technological requirements' sind; daß die Diktaturen, unter denen Millionen ihr Leben zu absolvieren oder zu fristen oder zu opfern haben, selbst versklavt sind: nämlich durch die Diktatur der Technik.« Soweit Anders.
Technisch »zurück« war die DDR vor allem in der Computerisierung und Massenmotorisierung sowie in der Telekommunikation. Wie wäre die Honecker-DDR wohl mit dem Internet umgegangen? Und wielange hätte eine freie eigenständige DDR gebraucht, um alle Bürger mit einem modernen Telefonanschluß zu versorgen?
Brecht-Haus Berlin-Weißensee 60 Jahre später // In der 1860 erbauten Villa wohnte Brecht von 1949 bis 1953. Ins Journal klebte er unter dem 7. Mai 1949 folgendes Gedicht: »EIN NEUES HAUS // Zurückgekehrt nach fünfzehnjährigem Exil / Bin ich eingezogen in ein schönes Haus. / Meine No-Masken und mein Rollbild, den Zweifler zeigend / Habe ich aufgehängt hier. Fahrend durch die Trümmer / Werde ich tagtäglich an die Privilegien erinnert / Die mir dies Haus verschafften ...« Bertolt Brecht: Ausgewählte Werke, Bd. 4, S. 398.
»'Rasch verdunsten'« // Warum Christoph Hein dem Verfassungsjubiläum fern bleibt - Ein offener Brief an die Bundesregierung, der Freitag, 6. Mai 2009.
»Der Kapitalismus stinkt« // Gibt es auch was Großartiges von der BRD? Ja, Floh de Cologne und ihre Lieder. Speziell das Album Profitgeier mit Titeln wie: »Auf dem Arbeitsmarkt«, »Der Kapitalismus stinkt« oder »Wir brauchen keine Millionäre«. Zugegeben, die Amiga-LP hatte das bessere Cover.
TV-Talk // »Ich kann es einfach nicht mehr hören, wenn mir die geleckten Affen aus den talk-shows erklären wollen, wie ich dreißig Jahre lang gelebt habe und warum es sich nicht gelohnt hat«, notierte Klaus Schlesinger 1993. Seither hat sich kaum etwas verändert: Noch immer maßen sich Westdeutsche in Siegerpose die Deutungshoheit über die DDR an. Gönnerhaft gestehen sie dem DDR-Bürger zu, auch ein Leben gelebt und eine »Lebensleistung erbracht« zu haben. Daß viele Ostdeutsche mit der BRD-Demokratie nichts am Hut haben, liege an den »falschen DDR-Prägungen«, nicht etwa am auseinanderdriftenden, korrupten BRD-Machtsystem. Am 24. April 2009 saßen bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen einmal mehr drei West- und ein Ostdeutscher über dem Thema Zwischen Unrechtsstaat und Ostalgie - neuer Streit um das DDR-Erbe, 975 Kommentare zur Sendung.