Vielleicht war die DDR nicht demokratisch: kulinarisch war sie auf jeden Fall. Genauso ernsthaft wie sich die höchsten Staatsgremien in die große Weltpolitik verbissen, arrangierten sie die Zufuhr von Frischer Landbutter und Apfelgetränk für den Bürger. Der
wiederum wußte genau, wann es was wo gab und trug jede zweite Mark in die Lebensmittelläden.
Eß-und-Trink-Fragen spielten östlich der Elbe eine so vitale Rolle, daß man geradezu von einer »Kulinarischen Republik« sprechen muß. Dabei löffelten die Leute nicht nur Erbsensuppe - Delikatessen wurden klar als solche erkannt und bis ins letzte ausgekostet. Doch welche Komödien und Tragödien sich derweil hinter den Kulissen der Deutschen Kulinarischen Republik abspielten, blieb bis heute unbekannt.
Deshalb scheuten die Autoren keine Mühe, diese Vorgänge zu ergründen und ins lukullische Gesellschaftsmilieu einzusortieren. Acht Jahre nach der Wende wälzten sie Akten, Bücher und Zeitschriften, kramten in der eigenen Erinnerung und befragten Augenzeugen - unter ihnen Fernsehkoch Kurt Drummer und der Minister für Lebensmittelindustrie.
Tobias Stregel, Fabian Tweder: Deutsche Kulinarische Republik. Szenen, Berichte und Rezepte aus dem Osten · Eichborn Verlag Frankfurt/M. 1998 · 123 S. · zahlreiche S/W-Abbildungen · ISBN 3-8218-3480-3
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